Produktfotos selber machen
Du brauchst kein Fotostudio für richtig gute Bilder – Kamera oder Smartphone, Tageslicht und ein bisschen Gefühl fürs Bild, reicht für den Anfang.
Gute Produktfotos wirken professionell, zeigen dein Produkt so, wie es wirklich ist, und machen Lust darauf, genauer hinzuschauen. Dafür brauchst du aber weder ein Fotostudio noch eine Ausstattung für mehrere Tausend Euro. Im Grunde kannst du direkt in deinem Wohnzimmer anfangen. Genau so mache ich es nämlich auch.
Ich baue mir für meine Produktfotos ein kleines Setup im Wohnzimmer auf, nutze möglichst das vorhandene Tageslicht und ergänze es bei Bedarf durch eine zusätzliche Lichtquelle oder einen Reflektor. Als Untergrund dienen Dinge, die ohnehin vorhanden sind. Eine Holzplatte, ein Tisch oder eine andere ruhige Fläche reichen vollkommen aus.
Denn viel wichtiger als teures Equipment ist ein gutes Auge dafür, was dein Produkt braucht, um richtig zur Geltung zu kommen. Und das kannst du lernen.

Mein einfaches Setup für Produktfotos
Bevor wir loslegen, hier einmal ganz kompakt, was du für deine ersten Produktfotos wirklich brauchst:
dein Smartphone oder eine Kamera
einen Platz mit möglichst gutem Tageslicht
einen ruhigen Untergrund, zum Beispiel einen Tisch oder eine Holzplatte
einen neutralen oder zum Produkt passenden Hintergrund
bei Bedarf einen Reflektor – eine weiße Pappe oder Styroporplatte reicht völlig aus
ein paar wenige Accessoires, die zu deinem Produkt passen
eventuell eine zusätzliche Lichtquelle, wenn das Tageslicht nicht ausreicht
ein Programm oder eine App für die anschließende Bildbearbeitung
Das meiste davon wirst du vermutlich schon zu Hause haben. Genau deshalb ist Produktfotografie für mich auch keine Frage eines riesigen Budgets. Du kannst mit sehr einfachen Mitteln anfangen und dein Setup später immer noch erweitern.
Bevor du anfängst: Überlege dir, wie dein fertiges Foto aussehen soll
Einer meiner wichtigsten Tipps ist eigentlich ganz simpel: Fotografiere dein Produkt möglichst schon so, wie das Foto später aussehen soll. Natürlich kann man in der Bildbearbeitung viel korrigieren. Aber nur weil etwas möglich ist, muss man es nicht machen. Je besser dein Ausgangsfoto ist, desto weniger Arbeit hast du anschließend.
Bevor ich auf den Auslöser drücke, schaue ich deshalb genau hin: Passt der Hintergrund? Steht das Produkt richtig? Stört irgendwo etwas? Ist der Bildausschnitt gut? Wirkt das Ganze harmonisch? Fällt das Licht schön auf das Produkt? Diese paar Sekunden sparen dir später jede Menge Zeit bei der Bearbeitung.
Schritt 1: Suche dir einen Platz mit gutem Tageslicht
Tageslicht ist für Produktfotos wunderbar und kostet keinen Cent. Ideal ist ein Platz in der Nähe eines Fensters. Dabei muss die Sonne nicht direkt auf dein Produkt scheinen. Im Gegenteil: Sehr hartes Sonnenlicht kann starke Schatten und unschöne Kontraste erzeugen. Weiches, gleichmäßiges Tageslicht ist meistens wesentlich angenehmer.
Probier einfach aus, an welcher Stelle in deiner Wohnung das Licht am besten ist. Du wirst schnell merken, dass schon ein halber Meter Unterschied eine Menge ausmachen kann.
Ist eine Seite deines Produktes zu dunkel, brauchst du übrigens nicht sofort eine zweite Lampe. Oft reicht ein einfacher Reflektor. Und auch den musst du nicht unbedingt kaufen. Eine weiße Platte, ein Stück weißer Karton oder eine Styroporplatte können das vorhandene Licht zurückwerfen und Schatten deutlich aufhellen.
Schritt 2: Wähle Hintergrund und Untergrund mit Bedacht
Der Hintergrund ist Nebendarsteller. Dein Produkt spielt die Hauptrolle. Das klingt selbstverständlich, wird bei Produktfotos aber erstaunlich oft vergessen. Ein unruhiger Hintergrund, zu viele Farben oder zu viele Accessoires lenken den Blick vom eigentlichen Produkt ab. Ich mag neutrale, harmonische Untergründe. Das kann eine Holzplatte sein, ein Tisch, ein Stück Karton oder eine andere schöne Fläche, die zum Produkt und zu deinem Stil passt. Neutral bedeutet dabei nicht automatisch weiß. Entscheidend ist, dass Produkt, Farben und Hintergrund miteinander harmonieren. Und dann kommt ein Punkt, bei dem weniger tatsächlich mehr ist: Überlade dein Foto nicht.
Natürlich können Accessoires ein Produktfoto lebendiger machen und eine bestimmte Stimmung erzeugen. Aber sie sollten das Produkt unterstützen und ihm nicht die Show stehlen. Ein paar passende Dinge finden sich fast in jedem Haushalt. Eine kleine Vase, Trockenblumen, ein schönes Tuch, eine Tasse, ein Buch, eine Kerze oder Naturmaterialien – je nachdem, was zu deinem Produkt passt.
Du musst also nicht erst einmal Deko shoppen gehen, bevor du dein erstes Produkt fotografieren kannst.
Schritt 3: Zeige Größenverhältnisse
Dieser Punkt wird gern unterschätzt. Gerade wenn Kunden ein Produkt nur online sehen, fehlt ihnen ein wichtiger Anhaltspunkt: Wie groß ist das eigentlich in Wirklichkeit? Bei manchen Produkten lassen sich Maße natürlich problemlos in die Produktbeschreibung schreiben. Trotzdem kann ein Foto Größenverhältnisse viel schneller vermitteln.
Platziere deshalb, wenn es zum Produkt und zur Bildsprache passt, einen bekannten Gegenstand daneben. Ein Teelicht kann beispielsweise einen guten Größenvergleich bieten. Bei anderen Produkten eignet sich vielleicht eine Tasse, ein Stift, eine Hand oder ein anderer Gegenstand, dessen Größe wir automatisch einschätzen können.
Wichtig ist nur, dass dieser Gegenstand thematisch passt und nicht vom Produkt ablenkt.
Schritt 4: Fotografiere nicht nur das Produkt – zeige seine Details
Ein einziges Foto reicht bei vielen Produkten nicht aus. Stell dir vor, du wärst selbst der Kunde. Was würdest du sehen wollen, wenn du das Produkt in einem Geschäft in der Hand hättest? Du würdest es vermutlich drehen, von verschiedenen Seiten anschauen, über die Oberfläche streichen und Details genauer betrachten. Genau diese Möglichkeit solltest du mit deinen Produktfotos so gut wie möglich ersetzen. Zeige deshalb auch Nahaufnahmen. Wie sieht das Material aus? Welche Struktur hat die Oberfläche? Gibt es besondere Details, Nähte, Kanten, Gravuren, Muster oder andere Merkmale, die dein Produkt besonders machen? Je genauer Kunden erkennen können, was sie bekommen, desto weniger müssen sie sich vorstellen. Und das schafft Vertrauen.
Schritt 5: Probiere unterschiedliche Perspektiven aus
Wenn du zum ersten Mal auf diese Weise deine Produkte fotografierst, erwarte nicht, dass gleich das allererste Foto perfekt ist. Teste verschiedene Einstellungen und vor allem verschiedene Winkel. Fotografiere frontal, leicht von oben, seitlich oder – wenn es zum Produkt passt – direkt von oben. Verändere zwischendurch die Position des Produktes oder eines Accessoires. Und ganz wichtig: Schau dir deine Fotos zwischendurch an.
Nicht erst dann, wenn du alles wieder abgebaut hast. Zoome ruhig einmal ins Bild hinein. Ist das Produkt scharf? Stört irgendwo etwas? Ist eine Kante schief? Wirft ein Accessoire einen ungünstigen Schatten? Passt der Bildausschnitt? Wenn dir etwas nicht gefällt, ändere es direkt. Gerade am Anfang ist dieses Ausprobieren wichtig. Mit jedem Shooting entwickelst du ein besseres Gefühl dafür, was funktioniert. Irgendwann siehst du schon beim Aufbau, was später auf dem Foto gut aussehen wird.

Smartphone oder Kamera? Beides funktioniert
Du brauchst nicht zwingend eine professionelle Kamera, um gute Produktfotos zu machen. Moderne Smartphones liefern bei guten Lichtverhältnissen richtig gute Ergebnisse. Viel wichtiger als die Frage nach der Kamera sind für mich Licht, Bildaufbau und ein stimmiges Gesamtbild.
Wenn du eine Kamera besitzt und gerne damit arbeitest, umso besser.
Ich selbst fotografiere mit einer Nikon D750 und nutze dazu ein Sigma 35mm F1,4 Art und ein Sigma 50mm F1,4 Art. Je nach Produkt und gewünschtem Bild entscheide ich, welches Objektiv besser passt. Wenn das vorhandene Tageslicht nicht ausreicht, nehme ich zusätzlich eine dimmbare LED-Leuchte dazu.
Das ist mein persönliches Equipment, mit dem ich gerne arbeite. Es ist aber ausdrücklich keine Einkaufsliste und auch keine Voraussetzung für gute Produktfotos.

Wenn du gerade erst anfängst, würde ich sogar empfehlen, zunächst mit dem zu arbeiten, was du bereits hast. Dein Smartphone. Investieren kannst du später immer noch. Erst einmal solltest du herausfinden, wie du deine Produkte zeigen möchtest und welcher Bildstil zu deinem Label passt. Denn die beste Kamera nützt dir wenig, wenn Licht, Perspektive und Bildaufbau nicht stimmen. Andersherum kannst du mit sehr einfachen Mitteln Fotos machen, die professionell aussehen und dein Produkt richtig gut präsentieren.
Zusätzliches Licht: praktisch, aber kein Muss
Tageslicht ist meine erste Wahl. Trotzdem gibt es Tage und Situationen, in denen zusätzliches Licht hilfreich ist. Im Winter, an dunklen Tagen oder wenn du erst am späten Nachmittag fotografieren kannst, reicht das natürliche Licht manchmal einfach nicht aus.
Dann kommt meine zusätzliche LED-Leuchte zum Einsatz. Achte bei künstlichem Licht darauf, dass die Farben deines Produktes weiterhin möglichst realistisch wiedergegeben werden. Gerade bei Produkten, bei denen die exakte Farbe eine Kaufentscheidung beeinflusst, ist das wichtig. D
Bildbearbeitung: Korrigieren statt verfremden
Nach dem Fotografieren bearbeite ich meine Bilder. Dabei geht es mir allerdings nicht darum, aus dem Foto etwas völlig anderes zu machen. Ich möchte das optimieren, was bereits da ist. Ich arbeite hauptsächlich mit Lightroom. Lightroom gibt es auch als App fürs Smartphone, und viele grundlegende Funktionen lassen sich dort sehr intuitiv nutzen.
Je nachdem, ob du mit Kamera oder Smartphone fotografierst und womit du am liebsten arbeitest, kannst du natürlich auch andere Programme verwenden. Canva oder die integrierte Bildbearbeitung deines Smartphones reichen für einfache Korrekturen ebenfalls aus. Ich passe meistens nur wenige Dinge an: Belichtung, Kontrast, Ausrichtung und gegebenenfalls den Zuschnitt. Beim Zuschneiden muss ich meist gar nicht mehr viel verändern, weil ich bereits beim Fotografieren darauf achte, dass der Bildausschnitt stimmt.
Warum ich bei Produktfotos auf Filter verzichten würde
Von starken Filtern würde ich bei Produktfotos die Finger lassen. Ein Filter mag das Foto auf den ersten Blick schöner, wärmer oder moderner wirken lassen. Er kann aber gleichzeitig Farben verändern. Und genau da wird es problematisch. Wenn dein Produkt auf dem Foto beige aussieht und beim Kunden eher grau ankommt, hast du nichts gewonnen. Im schlimmsten Fall entsteht Enttäuschung und daraus möglicherweise eine Reklamation oder Rücksendung. Das Gleiche gilt für eine zu starke Bearbeitung mit KI.
KI kann bei der Bildbearbeitung ein praktisches Werkzeug sein. Bei Produktfotos solltest du aber sehr genau darauf achten, dass sie dein tatsächliches Produkt nicht verändert. Strukturen, Farben, Formen und Details müssen realistisch bleiben.
Warum sich gute Produktfotos für dein Label wirklich lohnen
Deine Produktfotos sind nicht einfach nur hübsches Beiwerk zu deinem Shop. Sie sind ein wichtiger Teil deines Auftritts und können entscheidend dafür sein, wie dein Label wahrgenommen wird. Im besten Fall entwickeln deine Bilder einen eigenen Wiedererkennungswert. Jemand sieht ein Foto und denkt sofort: „Ah, das ist doch von …“
Genau das willst du erreichen.
Dafür brauchst du keinen komplizierten Bildstil. Viel wichtiger ist eine erkennbare Linie. Ähnliche Lichtstimmung, passende Hintergründe, wiederkehrende Perspektiven und eine Bildsprache, die zu deinem Label passt. Gute Produktfotos schaffen außerdem Vertrauen. Kunden können dein Produkt besser einschätzen, erkennen Materialien und Details und bekommen eine realistischere Vorstellung davon, was sie bestellen.
Mit guten Fotos wirkt dein gesamtes Label professioneller.
Der beste Produkttext bringt dir wenig, wenn das Foto abschreckt
Du kannst dir für deine Produktbeschreibung noch so viel Mühe geben. Du kannst jedes Detail erklären, eine großartige Geschichte erzählen und einen Text schreiben, der dein Produkt perfekt auf den Punkt bringt. Wenn das Produktfoto schlecht ist, wird ein Teil deiner potenziellen Kunden diesen Text gar nicht erst lesen. Denn das Bild sehen sie zuerst.
Innerhalb weniger Sekunden entsteht ein Eindruck. Interessant oder uninteressant. Professionell oder improvisiert. Vertrauenswürdig oder eher nicht. Genau deshalb lohnt es sich, etwas Zeit in deine Produktfotografie zu investieren.
Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren.
Und wenn du noch Fragen hast oder an einer Stelle nicht weiterkommst, helfe ich dir gerne.
Meine Checkliste für dein nächstes Produktfoto
Bevor du dein Setup wieder abbaust, geh dein Foto noch einmal kurz durch:
Ist das Produkt scharf und gut zu erkennen?
Stimmen die Farben möglichst mit dem Original überein?
Ist das Bild hell genug, ohne überbelichtet zu wirken?
Passt der Hintergrund zum Produkt?
Lenkt irgendetwas unnötig vom Produkt ab?
Ist der Bildausschnitt stimmig?
Ist das Produkt gerade ausgerichtet?
Hast du unterschiedliche Perspektiven fotografiert?
Gibt es Detailaufnahmen von Material, Oberfläche oder besonderen Merkmalen?
Kann der Kunde die Größe des Produktes einschätzen?
Passt das Foto optisch zu deinen anderen Produktbildern?
Wenn du diese Fragen mit einem guten Gefühl beantworten kannst, bist du schon ziemlich weit.
Mein Rat:
Fang einfach an
Mach aus Produktfotografie keine größere Wissenschaft, als sie sein muss. Such dir einen hellen Platz in deiner Wohnung. Stell einen Tisch oder eine Holzplatte ans Fenster. Nimm einen neutralen Hintergrund, dein Smartphone oder deine Kamera und vielleicht noch eine weiße Styroporplatte als Reflektor.
Dann stell dein Produkt hin und fotografiere.
Verändere den Winkel. Geh näher ran. Geh wieder etwas weiter weg. Verschiebe den Reflektor. Nimm ein Accessoire dazu und anschließend wieder weg. Schau dir die Bilder an und frag dich: Ist das stimmig? Passt das zu meinem Produkt? Würde ich als Kunde gern genauer hinschauen?
Mit jedem Versuch wirst du sicherer.
Und irgendwann hast du nicht nur gute Produktfotos, sondern deinen ganz eigenen Stil entwickelt. Einen Stil, der zu deinem Label passt und dafür sorgt, dass deine Produkte wiedererkannt werden. Dafür brauchst du kein Fotostudio. Manchmal reichen ein Fenster, ein Tisch, ein bisschen Improvisation – und der Mut, einfach anzufangen.




